24/07/2026
Energiesparende Technik und neue Sessel: Gunnar Schäfers investiert in die Zukunft seines Diepholzer Kinos „Central Cineworld“. © & Foto: Eberhard Jansen
Gunnar Schäfers hat 95.000 Euro in eine Photovoltaikanlage investiert. Neue Laser-Projektoren sollen den Verbrauch pro Vorführungsstunde von 4,5 auf 1,5 Kilowattstunden senken.
Diepholz – Moderne Technik für die Filmvorführung und um Energie zu sparen. Gunnar Schäfers hat sein Diepholzer Kino „Central Cineworld“ fit für die Zukunft gemacht. „Die Besucherzahlen sind wieder so hoch wie vor der Corona-Pandemie“, erklärt der 48-Jährige im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung. Das liege an einem wahren Filmfeuerwerk nach einem fünfmonatigen Schauspieler- und Autorenstreik in den USA. Nolan’s „Die Odyssee“, „Minions and Monsters“, „Spiderman“, die Realverfilmung von Disney’s „Vaiana“ seien nur einige der aktuellen Blockbuster. Schäfers bekennt sich klar zu seinem Kino in Diepholz, das er neben dem vor 15 Jahren eröffneten Kino „Schauburg Cineworld“ in Vechta betreibt. Aber trotz der wieder gestiegenen Zahl der Besucher: Die Zeiten für Betreiber von „Lichtspielhäusern“ seien weiterhin herausfordernd.
Gunnar Schäfers, der wie die meisten seiner Kollegen mit Mitarbeitern auf Minijob-Basis an Kasse und Verkaufstheke arbeitet, nennt ein Beispiel: „Vor 15 Jahren bekamen diese Mitarbeiter sechs Euro pro Stunde, eine Kinokarte kostete auch etwa sechs Euro. Heute kostet die Karte im Durchschnitt 9,80 Euro, den Mitarbeitern müssen wir aber den Mindestlohn von 13.90 Euro zahlen.“
Trotz dieser Problematik und der Konkurrenz durch Streamingdienste nimmt Schäfers viel Geld in die Hand, um das Diepholzer Kino attraktiv und effizient zu halten. Dabei wurde und wird er von der Filmförderungsanstalt des Bundes mit Zuschüssen und zinslosen Darlehen unterstützt. Angesichts hoher Stromkosten erweiterte der Diplom-Kaufmann die schon 2013 installierte Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gebäudes an der Wellestraße so weit, dass er nun etwa zwei Drittel des Strombedarfs seines Kinos selbst produzieren kann. 95.000 Euro netto investierte Schäfers nach eigenen Angaben in diese Anlage und weitere Modernisierung der Elektrik nebst neuer Notlichtbeleuchtung.
Den Stromverbrauch senkte Schäfers massiv, indem er sämtliche Beleuchtungen der vier Kinosäle und Nebenräume bereits 2023 auf LED umstellen ließ. Und da schon die Handwerker im Haus waren, ließ Schäfers in drei der vier Säle neue Kinosessel installieren – mit Doppelsitzen für Paare und möglichst großzügigen Armlehnen in den Mittelreihen. Zudem plant der Kinobetreiber die Anschaffung von Laser-Filmprojektoren. Während die alten bis zu 4,5 Kilowattstunden verbrauchen, kommt die moderne Vorführtechnik mit etwa 1,5 Kilowattstunden aus. Die Projektoren liefern zudem ein kontrastreicheres Bild und können – wie das Licht im Saal – zentral von dem PC im Kassenbereich gesteuert werden.
Deutsche gehen im Durchschnitt 1,2 Mal pro Jahr ins Kino
Einen ausgebildeten Filmvorführer braucht das Kino demnach nicht mehr. Auch die Zeiten von Filmrollen sind lange vorbei. Die Filme sind digital. Sie werden auf Festplatten geschickt oder per Internet übermittelt. „Ein Film hat etwa 100 Gigabyte“, erklärt Gunnar Schäfers und nennt auch Zahlen aus der allgemeinen Kino-Statistik: „Deutsche gehen im Durchschnitt 1,2 Mal pro Jahr ins Kino, US-Amerikaner etwa sechsmal, Briten und Franzosen viermal. Es ist also bei den Deutschen noch Luft nach oben.“
Das 1956 gebaute Diepholzer Kino hatte Gunnars Schäfers’ Vater Paul Schäfers 1989 gekauft und 1992 den großen Saal in zwei Säle umgebaut. Im Jahr 2000 entstand der Anbau mit zwei weiteren Kinosälen. Im Ursprungsgebäude an der Wellestraße sind zudem drei Wohnungen vermietet. Die Stadt Diepholz sei froh, ein breit aufgestelltes und modernisiertes Kino zu haben, und unterstütze es nach Kräften, so Schäfers.
Hollywoodfilme sind übrigens nicht immer die besucherstärksten. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens seines Kinos in Vechta hat Gunnar Schäfers die dortigen Top-Fünf-Filme seit 2011 ermittelt: Es waren deutsche und europäische Produktionen. Ein Unterschied zwischen dem dortigen Kino und dem Diepholzer: „In Vechta laufen Horrorfilme besser.“
https://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/diepholz-ort28581/central-cineworld-produziert-zwei-drittel-seines-stroms-selbst-94406658.html
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