13/07/2026
🤔 𝗪𝗮𝗿𝘂𝗺 𝘀𝗼 𝘃𝗶𝗲𝗹𝗲 𝗲𝗵𝗲𝗺𝗮𝗹𝗶𝗴𝗲 𝗗𝗗𝗥-𝗕ü𝗿𝗴𝗲𝗿 𝗵𝗲𝘂𝘁𝗲 𝘀𝗮𝗴𝗲𝗻: 𝗠𝗶𝘁 𝗱𝗲𝗺 𝗪𝗶𝘀𝘀𝗲𝗻 𝘃𝗼𝗻 𝗵𝗲𝘂𝘁𝗲 𝗵ä𝘁𝘁𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝗱𝗶𝗲 𝗠𝗮𝘂𝗲𝗿 𝗳ü𝗻𝗳 𝗠𝗲𝘁𝗲𝗿 𝗵ö𝗵𝗲𝗿 𝗴𝗲𝗯𝗮𝘂𝘁.
Ich weiß, viele verstehen diese ganze Ostalgiewelle nicht. Vor allem im Westen schüttelt man den Kopf und fragt sich, was es da zu vermissen gibt. Aber es ist nun mal so: Wer bei der Grenzöffnung zwanzig oder dreißig Jahre alt war, der hat seine gesamte Kindheit und Jugend in einem komplett anderen System erlebt. Einem System, das nicht perfekt war. Aber einem System, in dem man morgens aufgestanden ist und wusste: Die Arbeit ist da. Die Miete ist bezahlbar. Die Kinder sind versorgt. Und wenn man krank wird, kostet es nichts. Dieses Grundgefühl von Sicherheit – das fehlt. Und das ist kein Phantomschmerz. Das ist real.
𝗚𝗲𝗺𝗶𝘀𝗰𝗵𝘁𝗲 𝗚𝗲𝗳ü𝗵𝗹𝗲 – 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗮𝘀 𝗶𝘀𝘁 𝗲𝗿𝗹𝗮𝘂𝗯𝘁
Die Reisefreiheit, die Meinungsfreiheit, die freien Wahlen – das ist ein Gewinn, den niemand bestreitet. Dafür sind Menschen auf die Straße gegangen, mit dem Risiko dass geschossen wird. Das war mutig, das war richtig, das war historisch. Aber die gleichen Menschen, die damals auf der Straße standen, sitzen heute in ihren Wohnungen und fragen sich: War es das wert?
Nicht weil sie die Mauer zurückwollen. Sondern weil das, was danach kam, nicht das war, wofür sie auf die Straße gegangen sind.
Sie sind auf die Straße gegangen für Veränderung. Für Reformen. Für eine bessere DDR. Nicht für den Ausverkauf ihres Landes. Nicht für die Demütigung, sich ihre eigenen Abschlüsse nachdiplomieren lassen zu müssen. Nicht für die Erfahrung, dass der Betrieb, in dem man zwanzig Jahre gearbeitet hat, über Nacht dichtgemacht wird und der Westkollege einem erklärt, wie man richtig arbeitet. Nicht für das Gefühl, Bürger zweiter Klasse zu sein – 35 Jahre lang.
𝗗𝗮𝘀 𝗡𝗮𝗿𝗿𝗮𝘁𝗶𝘃
Was mich am meisten stört, ist, wie im Laufe der Jahre eine ganze Generation darauf trainiert wurde, ein bestimmtes Bild nachzuplappern. Die DDR war grau, war pleite, war eine Diktatur, war Stasi, war Mauer – fertig. Mehr gibt es nicht zu sagen. Wer etwas anderes erzählt, ist ein Nostalgiker, ein Ewiggestriger, ein Putin-Versteher.
Aber wer dort gelebt hat, der weiß: Es gab auch den Nachbarn, der um halb acht klingelte und fragte ob man Milch braucht. Den Betriebsarzt, der einen beim Vornamen kannte. Die Erzieherin im Kindergarten, die zwanzig Jahre lang dieselben Kinder betreut hat. Den Sommer am Plattensee, bezahlt vom FDGB, für einen Betrag der heute nicht mal für ein Parkticket reicht. Die Schulspeisung, bei der kein Kind hungrig blieb. Die Brigade, die nicht nur Arbeitskollegen waren sondern Familie.
Das ist kein Schönreden. Das ist Erinnern. Und Erinnern ist keine Krankheit. Es ist ein Grundrecht.
𝗗𝗲𝗿 𝗦𝗮𝘁𝘇, 𝗱𝗲𝗻 𝗶𝗺𝗺𝗲𝗿 𝗺𝗲𝗵𝗿 𝗟𝗲𝘂𝘁𝗲 𝗹𝗲𝗶𝘀𝗲 𝘃𝗼𝗿 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝗵𝗶𝗻 𝘀𝗮𝗴𝗲𝗻
„Mit dem Wissen von heute hätten wir die Mauer fünf Meter höher gebaut."
Der Satz klingt provokant. Er tut weh. Er soll auch wehtun. Aber er kommt nicht aus dem Nichts. Er kommt von Menschen, die erlebt haben, wie man ihnen alles genommen hat – die Arbeit, die Sicherheit, die Würde, das Gefühl dazuzugehören – und denen man danach gesagt hat: Seid froh. Seid dankbar. Ihr habt jetzt Bananen.
Die wollen keine Mauer zurück. Die wollen keinen Honecker zurück. Die wollen keine Stasi und keine Reisebeschränkungen. Was sie wollen, ist Respekt. Für ihre Lebensleistung. Für ihre Geschichte. Für die Tatsache, dass nicht alles falsch war, nur weil es aus der DDR kam.
𝗗𝗲𝗿 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲 𝗪𝗲𝗴
Ich bin fest davon überzeugt: Viele wollten keinen Totalausverkauf ihres Landes. Ein großer Teil wollte durchaus, dass es weiterhin zwei deutsche Staaten nebeneinander gibt – einen reformierten, demokratischen Osten und einen Westen, der tut was er will. Zwei Länder, die sich auf Augenhöhe begegnen. Nicht ein Beitritt, bei dem die eine Seite alle Regeln macht und die andere Seite brav mitmachen darf.
Hätte das funktioniert? Vielleicht. Vielleicht nicht. Aber man hätte es versuchen können. Man hätte die Menschen fragen können. Man hat sie nicht gefragt. Und genau das ist der Punkt.
𝗪𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗮𝘀 𝘀𝗰𝗵𝗿𝗲𝗶𝗯𝗲
Nicht um zu provozieren. Na gut, ein bisschen schon. Aber vor allem, weil ich glaube, dass diese Gefühle gesagt werden müssen. Laut. Nicht nur am Küchentisch, nicht nur unter Gleichgesinnten, nicht nur nach dem dritten Bier. Sondern hier. Öffentlich. Mit dem Wissen, dass jetzt wieder einer kommt und „Scheiß Kommunisten" schreibt. Dem sei gesagt: Erstens waren wir keine Kommunisten, das haben wir hier schon erklärt. Und zweitens: Wer keine Argumente hat, schreibt eben Schimpfwörter. Das haben wir auch schon erklärt.
Wer auf dieser Seite regelmäßig mitliest, der kennt die Fakten mittlerweile. Die Treuhand, den Soli, den Ausverkauf, die Zeitungsverlage, die Pionierhäuser, die Polikliniken, DKK Scharfenstein, Bischofferode – alles recherchiert, alles belegt, alles mit Quellen. Wer es nachlesen will, scrollt durch meine Beiträge. Da steht alles. Schwarz auf weiß. Mit Links.
𝘐𝘤𝘩 𝘸ü𝘯𝘴𝘤𝘩𝘦 𝘮𝘪𝘳 𝘬𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘔𝘢𝘶𝘦𝘳 𝘻𝘶𝘳ü𝘤𝘬. 𝘈𝘣𝘦𝘳 𝘪𝘤𝘩 𝘸ü𝘯𝘴𝘤𝘩𝘦 𝘮𝘪𝘳, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘮𝘢𝘯 𝘶𝘯𝘴 𝘨𝘦𝘧𝘳𝘢𝘨𝘵 𝘩ä𝘵𝘵𝘦. 𝘜𝘯𝘥 𝘪𝘤𝘩 𝘸ü𝘯𝘴𝘤𝘩𝘦 𝘮𝘪𝘳, 𝘥𝘢𝘴𝘴 𝘮𝘢𝘯 𝘢𝘶𝘧𝘩ö𝘳𝘵, 𝘶𝘯𝘴 𝘻𝘶 𝘦𝘳𝘻ä𝘩𝘭𝘦𝘯, 𝘸𝘪𝘳 𝘴𝘰𝘭𝘭𝘦𝘯 𝘥𝘢𝘯𝘬𝘣𝘢𝘳 𝘴𝘦𝘪𝘯. 𝘋𝘦𝘯𝘯 𝘸𝘦𝘳 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘮𝘪𝘵 𝘥𝘦𝘯 𝘍𝘢𝘬𝘵𝘦𝘯 𝘣𝘦𝘴𝘤𝘩ä𝘧𝘵𝘪𝘨𝘵, 𝘥𝘦𝘳 𝘸𝘦𝘪ß: 𝘋𝘢𝘯𝘬𝘣𝘢𝘳 𝘮ü𝘴𝘴𝘵𝘦 𝘫𝘦𝘮𝘢𝘯𝘥 𝘢𝘯𝘥𝘦𝘳𝘦𝘴 𝘴𝘦𝘪𝘯.
Und ja – es gibt nicht wenige, die das bitter bereuen. Die mit dem Wissen von heute sagen: Die Mauer hätten wir fünf Meter höher gebaut. Nicht weil sie die DDR zurückwollen. Sondern weil sie das, was stattdessen gekommen ist, so nie gewollt haben.
Wer das nachvollziehen kann, der war wahrscheinlich dabei. Und wer es nicht nachvollziehen kann, der war es wahrscheinlich nicht. Beide Perspektiven sind in Ordnung. Aber nur eine von beiden hat das Recht, darüber zu urteilen.